Tiny tomatoes threaten tourism, trade
17. Dezember 2005
Marc Engelhardt schreibt:
Beim WTO-Gipfel scheint die Welt in den vergangenen Tagen verkehrt. Was ist daran neu, mögen diejenigen fragen, die sich mit Handelsfragen beschäftigen. Aber SELBST für WTO-Verhältnisse wirkt manches seltsam umgedreht, jedenfalls im Vergleich zu Cancún: “Sink the WTO” scheinen einige Delegationen, allen voran die “Tiger-Staaten” Südostasiens zu rufen, vielleicht weil sie hoffen, dass sie in bilateralen Verhandlungen ein größeres Stück vom Kuchen bekommen können als in der multilateralen Give-and-take-Atmosphäre der WTO. Dagegen haben viele Nichtregierungsorganisationen ihr Herz für die WTO entdeckt. Wenn nur noch bilateral verhandelt wird, so beschwören sie, dann wäre alles noch viel schlimmer – und das will etwas heißen. Schließlich gibt es bei den bilateralen Talks weder große Gipfel noch das weltweite Forum, in dem die NGOs es seit Jahren schaffen, schlimmste Auswüchse bei Befürwortern des Ultra-Freihandels zu verhindern.
Und dann gibt es hier in Hongkong noch die, die auf irgendeiner ganz anderen Veranstaltung zu sein scheinen. Wie den IWF-Vertreter, der in großer Runde über die Bedeutung von St. Lucia für den Welthandel schwadronierte. “The tiny, un-tasty tomatoes threaten tourism& trade there”, also etwa: eklig schmeckende, einheimische Mini-Tomaten vergraulen Touristen, weil wegen der gemeinen Exportschranken der Insel-Regierung die wohlschmeckenden, italienischen Tomaten nicht eingeführt werden dürfen. Im englischen klingt das schöner, fast lyrisch. Auf jeden Fall ein Satz, den man sich merken kann – mit oder ohne WTO.
Marc Engelhardt ist Journalist und Administrator von hongkongblog und hongkong2005.org
Kategorie: Marc Engelhardt

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