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Fortschritte, Eindrücke, Kommentare, Geschichten von der 6. WTO-Ministerkonferenz, die vom 13.- 18. Dezember in Hongkong stattfindet: Das ist hongkongblog, das Web-Log zu hongkong2005.org, dem Webportal der Böll-Stiftung zum Handels-Gipfel. Lesen Sie mit und, wenn Sie möchten, kommentieren Sie die Beiträge!

Out in the park

Kristin Funke and Hilke Koegl write:
Today the sun is out at last! Perfect weather to join the NGO activities at Victoria Park. Here, the Hong Kong People’s Alliance (HKPA), a network of 33 grassroots organizations including trade unions, women’s organizations as well as community, religious, human rights and labor groups, are organizing the “People’s Action Week” during the MC6. The HKPA is facilitating the activities of local and international NGOs under the motto “Kong Yee Sai Mau” (“No to WTO”).

But before heading there, we are stopping to drop off more Boell publications at the NGO centre inside the Hong Kong Convention and Exhibition Centre, the venue of the WTO MC6. For the first time, NGOs, WTO delegates, and the press are located under the same roof. That’s why security is most alert and even smells our water bottles to make sure it’s really water and nothing dangerous like vodka or flammable liquids. The atmosphere here is hectic and busy, everyone seems to be rushing from one briefing or panel discussion to the next. Although the actual negotiations are literally taking place next door, they seem very remote and distant. From time to time a delegate hurries along, identifiable in the crowd by the red or blue ribbon of the accreditation badge. The ribbons add quite a bit of color to the serious atmosphere: orange is for accredited NGO members, green for press, yellow for support staff, purple for security and so on.

Leaving the hustle and bustle behind us, we are abandoning the MTR today and instead go to Victoria Park by tram, the only double-decker tram of the world. Most of the park has turned into a city of colorful tents with many people walking around, attending events or gathering on the lawn. Enjoying the more relaxed yet lively atmosphere. This is the place where most non-accredited NGOs are holding their activities. Among the abundance of colored banners, large sculptures, provocative photographs and various artworks is also a memorial site to Lee Kyeong–hae, displaying his picture below the motto “WTO kills farmers.” The Korean farmer activist committed suicide out of protest against the last Ministerial Conference in Cancun in 2003.

In one tent, Filipino women are discussing contract and migrant workers, sexual exploitation and union building. In another, a network for food sovereignty holds an exhibition on rice, the most important food crop worldwide and staple food for more than 40% of the world’s population. Shocking pictures show the extremely harmful effects of pesticides like Paraquat and Endosulfan on Asian plantation workers.

A provocative art project by the Danish Association for International Cooperation consisting of three sculptures also attracts a lot of attention. The first one is a pair of scales with a dead cow hanging by its legs on the one arm and 6 emaciated men on the other, symbolizing that the rich world is spending much more on domestic subsidies than on development aid. The second, “Survival of the Fattest,” showing a huge Western woman sitting on the shoulders of a starved African man illustrates the unbalanced distribution of the world’s resources. The third is a group of 20 starved children called “Hunger March.” Immediately, we are reminded of yesterday’s lavish reception by the host government for accredited NGOs. There, dressed up people feasted on an abundance of hors d’oeuvres, fresh sushi and shrimp, and sipped exquisit wines. The farmers, fishers, workers and activists surrounding us here, all in some way affected by the agricultural trade liberalization and fighting for food safety and sovereignty, are eating rice and simple sandwiches distributed by the HKPA.

As the sun is slowly setting and we are getting ready to head back to our hotel in Kowloon, another group of farmers (this time from Thailand) marches by, shouting “Down, down WTO!,” while a few meters away a small crowd is singing and dancing on a stage, demanding “No Deal in Hong Kong.”

Hilke and Kristin are both working at the HBF Southeast Asia Regional Office in Chiang Mai, Thailand.

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Pokern gegen das Scheitern

Frithjof Schmidt schreibt:
Das Hongkong-Poker-Game geht weiter. Nach drei Verhandlungstagen hat sich die Situation im Convention Center noch einmal zugespitzt. Im Zentrum steht momentan der Annex C zum Erklärungsentwurf. Darin geht es vor allem um die Liberalisierungen im Dienstleistungssektor. Eine Reihe von Staaten unter Führung von Südafrika, Indonesien und Kenia hat praktisch mit einem Veto gedroht, denn hier gilt ja das Einstimmigkeitsprinzip.

Außerdem hat die Gruppe der 90, das sind die AKP-Staaten, die Afrikanische Union und die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) einen Alternativentwurf vorgelegt. Die EU hat daraufhin mit einem Gegenvorschlag reagiert, der ihr bisheriges Angebot im Sinne der Entwicklungsländer erheblich verschlechtert. So soll wohl der ursprüngliche Entwurf taktisch zum kleineren Übel gemacht werden. Ja, manches klingt wie eine Satire auf „hartes Verhandeln“, ist aber leider Realität. Zugleich, so ist auf den Fluren zu hören, macht die EU informell Angebote für einen weitergehenden Verzicht auf die Durchsetzung einheitlicher Mindestnormen (benchmarking) in diesem Feld. Die EU, so ist zu hören, will ein offenes Scheitern um fast jeden Preis verhindern.

Eine Abschlusserklärung in Hongkong könnte schwierige Punkte aussparen. Wichtige ungelöste Fragen sollen für einige Monate vertagt werden. Im März 2006 könnte dann in Genf eine kleinere Ministerrunde an diesen Fragen weiterverhandeln. Viele halten hier ein solches Ergebnis für wahrscheinlich. Die nächsten achtundvierzig Stunden werden es zeigen. Cleverness und Verantwortungslosigkeit der EU können ja durchaus Hand in Hand gehen.

Frithjof Schmidt ist Mitglied des Europaparlaments für Bündnis 90/ Die Grünen

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Es wird spannend

Gregor Kaiser schreibt:
Nun passiert doch noch was in Hongkong, die Verhandlungen werden spannend. Am Dienstleistungsabkommen GATS und dem dazugehörigen Anhang C der Abschlusserklaerung, die am Sonntag hier in Hongkong verabschiedet werden soll, wird es nun endlich spannend. Sowohl der Botschafter Venezueleas als auch ein Mitglied der südafrikansichen Delegation sprachen aus, was viele NGOs schon lange fordern: No deal ist better than a bad deal

Eben (16.12.05 18.00 Hongkong Zeit) fand ein Treffen der AktivistInnen mit dem venezolanischen Botschafter statt. Venezuela, Kuba, Indonesien , Philippenen, Suedafrika haben ihre Ablehnung des Anhangs C bekraeftigt. Venezuela droht damit, die Verhandlungen abzubrechen. Ganz soweit geht Südafrika noch nicht. Aber in dem anschließenden Treffen mit deren Delegation ging die Stimmung in eine ähnliche Richtung.

Die Stimmung der NGOs bessert sich somit und ich denke auch, dass die AktivistInnen, die keinen Einlass zum Convention Center haben und außerhalb im Victoriapark viele gute Veranstaltungen machen, neue Motivation für die letzten ca. 48 Stunden bekommen.

Weniger spannend war heute Nachmittag ein Treffen der deutschen NGOs mit Minister Seehofer – er insistierte die gesamte Zeit über darauf, dass er nicht verstehen können, warum Landwirtschaft hier bei den Verhandlungen entscheidend sein soll. Über die Exportsubventionen werde man sich schon einig, wenn es endlich in den anderen Bereichen Fortschritte gebe.

Gregor Kaiser promoviert in Kassel und ist Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung.

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Ein letztes Angebot zu Dienstleistungen

Justus von Geibler schreibt:
In den WTO-Verhandlungen zu Dienstleistungen gab es heute Bewegung, die nach Aussagen einiger Beobachter entscheidend fuer die Zukunft der WTO werden koennte. In zwei kurzfristig anberaumten Treffen fuer NGOs machten die Delegierten der zwei Entwicklungslaender Venezuela und Suedafrika ihre Positionen sehr deutlich: Nachdem ein Vorschlag zu den Dienstleistungsverhandlungen von den AKP-Staaten (Afrikanische, Karibische und Pazifische Staaten) vom Verhandlungsfuehrer nicht aufgegriffen wurde, kritisierten sie die undemokratischen Verhandlungsprozesse und drohen, aus den Verhandlungen auszusteigen. Gemeinsam mit den Phillipinen, Kenia, Kuba und Indonesien fordern sie den auch von vielen NGOs als sehr gefaehrlich eingestuften “Anhang C” unwiderruflich vom Verhandlungstisch zu nehmen. Es bleibt sehr spanned, welche Entwicklungslaender sich dieser Position anschliessen und wie die Industrielaender auf diese Forderung eingehen werden.

Justus von Geibler promoviert in Bochum und ist Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung.

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Impressed, but in a scary way

Silke Helfrich schreibt:
“China ist nicht irgend ein anderes Land, die Integration Chinas in den Weltmarkt von historischer Dimension … nur leider ist sie noch immer nicht in die öffentliche Debatte vorgedrungen”. Das sagt der mexikanische Ökonom Enrique Dussel während der Veranstaltung zu “China – Mexiko, Wettbewerb oder
Zusammenarbeit?” im Rahmen des Böll-Forums. China ist im Jahr 2002 der WTO beigetreten und wird dort nun – nachdem es härtere Eintrittsbedingungen akzeptiert als die meisten anderen Länder, wie alle anderen behandelt. Die leider an wenigen Händen abzählbaren ZuhörerInnen erfahren von Enrique Dussel und von Wirtschaftsprof Yin Xingmin beeindruckende Zahlen, die vor allem die Unterschiedlichkeit der beiden Regionen belegen. Dem Okeonomen Yin steht der Wachstumsrausch Chinas geradezu ins Gesicht geschrieben. Gut 9 Prozent pro Jahr, und dann, berichtet gestern die South China Morning Post, hat sich rausgestellt, dass das BIP Chinas um 300 Milliarden Dollar (sic!) zu gering berechnet war. Yin blättert uns eine schwindelerregende Statistik nach der anderen hin: da ist jede Info eine Info der Superlativ, alles tapfer und ressourcenblind nach dem Motto: “We want to industrialize”. China hat nach der Anzahl der Beschäftigten das grösste verarbeitende Gewerbe der Welt – nur im Vergleich zu den verfügbaren Arbeitskräften in der Landwirtschaft scheint es sich bescheiden auszunehmen. China wird in Kürze internationaler Exportweltmeister sein (importiert wird allerdings auch kräftig, die durchschnittlichen Zölle sind in den letzten 15 Jahren von durchschnittlich 44 % auf 9,4 % gesunken), die Exporte von verarbeiteten Industrieproduktion haben sich seit 2000 verdreifacht und seit 1990 ver48facht! Bis Ende 2004 hatte China 508.941 ausländische Firmen zugelassen. Nochmal zum Mitlesen: mehr als eine halbe Million!

Der Energieverbrauch hat sich seit 2002 verfünffacht und das Handelsvolumen zwischen Mexiko und China steht in einem Verhältnis von 31 : 1. Dazu kommt, dass Mexiko zu 90% vom Exportmarkt USA abhängt, doch dahin drängen nunmehr – dh. seit dem WTO-Beitritt – verstärkt chinesische Produkte; ergo: Mexiko – wie auch der Rest der Latinos – kann schlicht nicht mithalten.

Doch China und Mexiko verbindet auch einiges: insbesondere – und das macht die WTO ziemlich attraktiv für beide – das Setzen auf Exporte als Kernelement der Wachstumsstrategien. China hat sich allerdings im Gegensatz zu Mexiko ca. 30 Jahre lang auf einem abgeschotteten Markt für den grossen Wettkampf fit gelaufen. Erst der Boom der Bekleidungsindustrie, dann der Elektronik (90er), inzwischen macht China ernsthaft Konkurrenz in der Zulieferung für die Automobilindustrie und in Zukunft werden es die Neuen Technologien sein.

China investiert massiv in universitäre Bildung (4 Millionen Studienanfänger jährlich! Tendenz steigend) und Forschung. Und dann ist da noch die Notwendigkeit, neue Jobs zu schaffen: in China drängen jahrlich über 8 Millionen auf den Arbeitsmarkt, in Mexiko sind es “nur” 1,2 Millionen, was im Vergleich zur Gesamtbevölkerung aber wohl sogar noch drastischer ist. Doch das Jobwachstum geht auch in China keineswegs mit dem Produktivitätswachstum einher, gigantische Probleme türmen sich schon jetzt vor dem Land auf.

Uff, genug der Zahlen… mir war schon ganz schwindlig. Schnell war klar, dass sich nicht nur die Frage stellt, was der WTO-Beitritt Chinas für Mexiko heisst, sondern wie die Weltwirtschaft – wie wir alle zusammen – diese Wucht aushalten können. “Viel arbeiten, mehr arbeiten”, sagt da im Brustton der Überzeugung Professor Yin und scheint sich über seine Idee noch diebisch zu freuen. Und im übrigen müsse man sich über die klassischen Wirtschaftszweige in Sachen Konkurrenz ohnehin keine Sorgen machen, weil China ja auf dem HighTech-Trip sei; so als könnten die Maquila-ArbeiterInnen Mexikos und Mittelamerikas nun aufatmen. Tatsache ist: für Mexiko – mit einigen wettbewerbsfähigen Wirtschaftszweigen und seinem Erdöl – sieht die Lage weniger hoffnungslos aus als etwa für Nicaragua, Honduras oder El Salvador.

“I am impressed, but in a scary way…” (Ich bin beindruckt, aber mir wird auch Angst) sagt dann eine Teilnehmerin. Das ging uns irgendwie allen so. Den Chinesen scheint nicht bewusst zu sein, was sie wirklich tun, sagt dann später ein Referent aus Lateinamerika. Er hat im Rahmen des Programms Nachhaltiger Cono Sur (Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay und Paraguay) mal nachgerechnet, was allein die Handelsbeziehung zwischen China und dem Cono Sur an Ressourcenverlust für Südamerika bedeutet.

Vom Aspekt der Zerstörung der Naturressourcen durch Industralisierung und Export auf Teufel komm raus, hatte Professor Yin, so erfahren wir am nächsten Tag, noch nicht viel gehört. “I am impressed, but in a scary way…”

Silke Helfrich ist Leiterin des Bueros der Heinrich-Boell-Stiftung in Mexiko.

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…es weihnachtete auch im Convention Zimmer

Heike Löschmann schreibt:
Die unvollendete Beschenkung der Herren Mandelson und Portman

Inspiriert von der vorweihnachtlichen Stimmung in Hongkong (siehe Bericht vom 14.12.) standen heute 20 Vertreter der internationalen NRO-Koalition “ Our World Is Not For Sale”, als OWINFS bekannt, als Weihnachtsmaenner verkleidet im Hongkonger Convention Center bereit, um als Geschenke “verkleidete”, kunstvoll verpackte leere Kartons an den EU-Handelskommissar, Peter Mandelson, und den US-Handelsbeauftragten Rob Portman zu uebergeben. Als sich die beiden Herren der Gruppe naeherten, sangen die NRO-Vertreter auf die Melodie von Jingle Bells, der offensichtlichen Hongkonger Hymne des Monats “Mandelson, Mandelson, dies Geschenk hier ist fuer sie, “Trade for Aid” ist das Spiel, dass ihr spielt, leer durch und durch, Trade for Aid, Trade for Aid…” Die beiden Herren beschleunigten ihre Schritte und waren nicht bereit, die fuer sie vorbereiteten leeren Geschenkkartons entgegen zu nehmen.

In der sich anschliessenden Pressekonferenz erklaerten die NRO-Vertreter, dass sie mit dieser Aktion den Versuch der EU und der USA kritisierten, die Hongkonger Ministerkonferenz dazu zu nutzen, durch ein “Entwicklungspaket” (zusammengesetzt aus “Aid for Trade” (Hilfe fuer Handel), unverbindlichem zollfreien Marktzugang fuer die aermsten Laender und weitere Kleinmassnahmen).

Hintergrund der Kritik: Die Doha-Runde soll so vom Eindruck her eine “Entwicklungsrunde” bleiben, waehrend ihre Kritiker sie aber als alles andere als das sehen. Die Aktion sollte dazu beitragen, die Mogelpackung des Aid for Trade Paketes zu entlarven und eine Offentlichkeit dafuer zu schaffen. Die NGO-Koalition wollte gegen die Illusion angehen, dass in Hongkong noch wirksame Entwicklungselemente in die Handelsrunde einfloessen. Bei einer mit den Verhandlungsprozessen wenig vertrauten Oeffentlichkeit koennte dieses Bild angesichts der Meldungen ueber das Entwicklungspaket entstehen.

Heike Löschmann leitet das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Chiang Mai (Thailand)

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NGOs: Noch nie so wertvoll wie heute

Barbara Unmüßig schreibt:

Wie immer der WTO-Gipfel ausgeht, einen Erfolg können die NGOs schon jetzt feiern: Ihre massive, unübersehbare und inhaltlich gewichtige Präsenz. Vor zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen: Die WTO war abgeschottet wie ein Gehemdienst. In den Jahren nach Marrakesch (1994) gab es für die Zivilgesellschaft keinerlei Informationen, geschweige denn Zugang. Hier in Hongkong hingegen sind die Nichtregierungsorganisationen mit einer Macht vertreten wie bisher nur bei UN-Gipfeln. Das haben sie sich mit ihrer Kompetenz und ordentlich Beharrlichkeit selbst erstritten.

Zwar kann das “Privileg” der Beteiligung, das anders als bei den UN nirgendwo in der WTO verbindlich verankert ist, jederzeit widerrufen werden – in Doha war das vor vier Jahren zu sehen, als der Zivilgesellschaft schlichtweg die Visa verweigert wurden. Doch die Stimmen der NGOs sind inzwischen dermaßen unüberhörbar geworden, dass das ziemlich unwahrscheinlich scheint. Selbst WTO-Chef Pascal Lamy musste hier einräumen, dass die WTO einen ziemlich schlechten Ruf aufzumöbeln habe.

Dazu kommt, dass die NGOs, Gewerkschaften oder auch Bauernorganisationen in den vergangenen Jahren in einem der vielleicht trockensten Politikfelder eine unbestrittene und von anderen oft unerreichte Kompetenz erworben haben. Wenn man in die Zeitungen guckt fällt auf, dass Journalisten längst nicht mehr Banner-Sprüche wiederholen, sondern ihre Analysen vor allem auf der Sachkenntnis der NGO-Gemeinde aufbauen. Wir als Böll-Stiftung fördern den Kapazitätsaufbau der NGOs seit Jahren, und es ist toll, hier so klar die Erfolge zu sehen.

Die Nichtregierungsorganisationen werden als Gesprächspartner selbst von denen geschätzt, die ihre Globalisierungskritik nicht im Geringsten teilen: Der Industrie etwa, oder vielen Vertretern aus Wirtschaftsministerien. Bei den Dinner-Debatten, zu denen die Böll-Stiftung seit mittlerweile fünf Jahren zu Essen und kontroversem Meinungsaustausch einlädt, hören die vermeintlichen WTO-Fans zumindest mit gespitzten Ohren zu, wenn die NGOs reden. Allerdings: Solch neue Erfahrungen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass NGOs und Delegierte des WTO-Gipfels inhaltlich noch sehr, sehr weit auseinander sind. Das Engagement der Zivilgesellschaft, die im Gegensatz zur “mittelalterlichen” WTO voll auf der Höhe der Zeit ist, war noch nie so wertvoll wie heute.

Barbara Unmüßig ist Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

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Madame Pangestu, “some sort of optimism” and the moment talks turn into negotiations…

Liane Schalatek writes:
After three days of public posturing and King Kong like breast-beating by the major players mostly for the sake of the media, to intimidate political opponents and to assure the folks at home, it seems that on the third day of negotiations in Hong Kong the exchanges have started to turn from mere talks and sometimes more, sometimes less polite exchange of views to—hello, wasn’t that why they all came to Hong Kong for? – negotiations…. Significant efforts to rework the draft declaration of December 7 seem to have finally begun with late Thursday evening “Green Room” meetings that – if the circles under the eyes of negotiators this Friday morning are any indication – lasted until the wee hours of Friday morning.

We hear that a draft text was presented on duty-free/ quota-free market access for LDCs. Part of the sport of NGO reps in the Hong Kong Convention Center, is of course, trying to get your hands on such a text, and not incidentally, your importance and standing in the “scene”, the proof of your level of connectedness and for the quality of your “sources” depend on whether you can produce the text, or at least are able to, when asked by those less-fortunate in terms of insider-knowledge, to casually and without hesitations spill out the contents of the sought-after text… It won’t come as too much of a surprise if, in the spirit of the WTO “confessionals” practiced as part of the talks/ negotiations earlier this week I admit that I didn’t get it…

But anyway: In a press briefing just a little while ago, I DID hear the Indonesian trade minister Mari Elka Pangestu say with a weary and tired semblance of a half-smile that she felt “some sort of optimism” and “comfortable with the language that is there” with respect to the whole notion of quota- and duty-free market access for LDCs. This is significant, since Madame Pangestu is the spokesperson for the G 33, which supports a strong development package for the LDCs, including, but going way beyond, duty- and quota-free access for LDC products. The developing country group of the G 33, coordinated by Indonesia, itself was formed around and is continue to push here in Hong Kong for the inclusion of specific language on special products (SP) and the special safeguard mechanism (SSM) into the final ministerial text. And there the G 33 and Madame Pangestu still hope for “stand-alone” (meaning not conditional on advances in other areas) and specific language in the outcome document of Hong Kong. They and Madame Pangestu, the latter tired and all, is prepared to discuss specific percentages – she would like 20 percent of tariff lines to be designated as special products—as well as specific criteria for determining these in the next Green Room meeting this Friday evening.

Of course, it doesn’t pay in trade negotiator circles to be too optimistic too early: With respect to quota- and duty free access for LDCs, there will be, as Madame Pangestu stressed, “very limited exemptions” of product lines, both by the developing countries who choose to participate in the deal and grant this access as well as by the developed world. For the United States, US-Trade Representative Rob Portman has already made clear that these exemptions could include, among other products, textiles. “It would be difficult for some tariff lines to go duty-free when for example Bangladesh is so competitive in textiles”, argued Portman on Thursday, pleading understanding that the US Congress would not be willing to swallow such an LDC access deal otherwise. Excuse me, not that I ever subscribed to it, but wasn’t this big deal about trading supposedly about using a country’s competitive advantage, at least according to those free-trade apostles (and you know who you are…) out there????

Liane Schalatek is associate director of the Heinrich Boell-Foundation’s office in Washington.

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Meeting Che Guevara in Hongkong

Ingrid Spiller schreibt:
„Wasser raus aus der WTO“ – darüber waren sich die VertreterInnen aus NGO’s und Bewegungen auf einem internationalen Strategie- und Vernetzungstreffen gestern auf dem NGO-Forum einig. Wasser ist ein kostbares, aber öffentliches Gut und darf deshalb nicht im Rahmen internationaler Handelsverträge verhandelt werden.

In Anbetracht des zunehmenden Schlafmangels (das zumindest ist etwas, was Verhandler, Presse und alle anderen Anwesenden hier gemeinsam haben) musste ich mich erst in den Arm kneifen um sicher zu gehen, dass ich keine Vision hatte, als Che Guevara plötzlich leibhaftig vor mir stand. Das Rätsel löste sich schnell auf: Gael García Bernal, der mexikanische Darsteller aus dem jüngsten Che Guevara Film hatte uns einen Besuch abgestattet und sich mit unseren Forderungen solidarisiert. Er war auf Einladung von Oxfam International extra zur WTO-Konferenz nach Hongkong gekommen, um ihre Fair Trade Kampagne zu unterstützen.

Ingrid Spiller is Referentin für Internationale Politik der Heinrich Böll-Stiftung in Berlin.

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Food Aid Fight

Helga Flores Trejo writes:
After 4 days of negotiations in Hong Kong no breakthrough is visible. While no advancement is being made in the core issues of this Doha Development Round – namely agricultural subsidies and market access into the EU and US – smaller questions have won major attention in the past three days and have dominated the press conferences at the Convention Center. Both the US and the EU are running a public relations war in trying to demonstrate who will offer more aid for the least developed countries while denouncing the other policies as detrimental for the world’s poor.

A big fight of words, letters and press briefings broke loose early this week between US Trade Representative Rob Portman and EU Commissioner Peter Mandelson over food aid. A series of ads in the Financial Times paid by United Nations’ World Food Program WFP created so far the biggest fuss here in Hong Kong. The ad shows 4 black children eating in front of a chalkboard with the words: “Don’t play with our food”. In it the WFP accuses restrictions on food donations and provocatively asks: “Will WTO’s trade negotiators take the food out of their mouths?”

In an unprecedented move Peter Mandelson, the EU Commissioner wrote in the name of all 25 EU Member States a letter published by the FT the next day describing the ad as a “cynical insult to the integrity of all World Trade Organization Members”. Press conferences and fact sheets followed, so I spent this past Wednesday going from one room to the other listening to the different positions.

So what is all this about? The EU abolished its in kind donations of food several years ago in favor of cash aid– these donations were always under the critique of development experts and NGO’s because their effect was to destroy the domestic markets (for example the meat market in South Africa that was dumped with cheap meat from Europe) and because they were seen ultimately as benefiting the North where the food was bought.

By contrast the US is by far the largest contributor of in kind food aid delivering more than 53 Million Metric Tons of food (cereals and non-cereals) to hungry people every year. But this food aid is under attack by the EU since it is seen as a hidden support to the US farmers. The EU is advocating not to “restricting humanitarian aid” as Mandelson argues – but to convert it in untied cash contributions to those countries in need. The advantages: products could be purchase in the region helping the local economy and producers.

The ad in the FT while signed by the UN World Food Program was seen by many in the EU as an unfair attack to the benefit of the US interests and as driven by the invested interests of the UN Agencies. This seems to have motivated Mandelson that managed to gather within a couple of hours the support of all 25 EU Member States for his Letter to the Editor. That letter in turn was followed by a press conference of USAID Administrator Andrew Natsios on Wednesday at noon. There Natsios went so far as to denounce the EU goal of converting all food aid into cash as “irresponsible” in his opinion such a move would costs lives.

While the arguments of the EU have large support among development experts the over the top reaction of Mandelson appears rather to be a distraction from the main questions at stake in Hong Kong: Will the developed countries open their markets for agricultural products and end their unfair subsidies and tariffs?

While the public relations efforts on all sides continue and we all can witness the show during the endless press briefings the answer to this question seems rather bleak.

Helga Flores Trejo is Executive Director of the Heinrich Boell-Foundation’s office in Washington.

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