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Beiträge unter 'Daniel Mittler'

The real face of free trade

Daniel Mittler writes:
As you read this, trade ministers from around the world are meeting at the 6th Ministerial meeting of the World Trade Organization (WTO) in Hong Kong. At the Hong Kong Convention Centre, beautifully situated at the Hong Kong harbour, they aim to push forward with their free trade agenda.

Not far from where the ministers are meeting, the real face of free trade is on show. Hong Kong, shoppers’ paradise, is not just one of the world’s most free economies; it is, as a result, also a ‘freeport’ for the world’s electronic waste.

China is quickly becoming a toxic trash bin for the world. As much as 4.000 tonnes of toxic e-waste are discarded every hour. Since most mobile phones, computers and other electronic products are made using toxic ingredients, it makes it far easier (and of course, cheaper!) to dump products in developing countries instead of disposing of them appropriately at the place of origin or use. Many electronic products are routinely, and often illegally, shipped from Europe, Japan and the US to China and other Asian countries. Workers at scrap-yards such as Guiyu in China’s Guangdong province are exposed to the toxic chemicals in these products, when they break the products apart by hand, usually under appalling conditions. This is what “free trade” looks like!

In the name of free trade, some governments at the WTO Ministerial meeting aim to eliminate tariffs on electronic goods as part of the Non Agricultural Market Access (NAMA) negotiations. If the experience of the Information Technology Agreement, signed by 29 WTO Members in 1996, is anything to go by, this will inevitably result in more electronic goods being traded. Sadly, this also means that even more electronic waste will be generated. As long as effective social and environmental regulations are not in place, this will result in even more electronic waste being dumped in scrap-yards such as Guiyu.

According to its preamble, the WTO exists “to protect and preserve the environment” and to achieve “the optimal use of the world’s resources in accordance with the objectives of sustainable development”.

In reality, the WTO trade system forces countries to compete to trade more. As a result, the use of natural resources is spiralling upwards. One fifth of global oil consumption is just to move goods around the world. The current negotiations, especially the NAMA negotiations, continue to ignore the environment. This is true for electronic goods and the waste they will inevitably become. It is most shameful in case of forests, where an official sustainability impact assessment, commissioned by the European Union, shows that further liberalization under NAMA will have negative results. The study shows how free trade magnifies existing problems and fuels demand for unsustainably sourced timber. Sadly, the study does not appear to be worth the paper it is printed on; the EU government has chosen to ignore the findings of a study it commissioned. Unwilling to admit unpalatable truths, they aim to move forward with the NAMA negotiations in Hong Kong, and to agree on concrete liberalisation steps in 2006.

Instead of blindly pursuing free trade at all cost, governments should halt the NAMA negotiations. Plans for liberalisation in ecologically sensitive areas – such as trade in forest products – must be abandoned, since negative impacts are already proven.

Trade ministers face a choice as they head to Hong Kong. They can either push forward with further trade liberalisation, ignoring the negative environmental and social impacts, or they can initiate a proper review of the global trade system. A new trade system must be built on the basis of such a review: One that has equity and environmental protection at its heart – not just in its preamble.

Only if governments take this step, can the Hong Kong meeting be described as a success.

Daniel Mittler is Trade Policy Advisor to Greenpeace International

Kommentieren 13. Dezember 2005

Das wahre Gesicht des Freihandels

Daniel Mittler schreibt:
Während sie das lesen, treffen in Hongkong die Handelsminister der WTO-Mitgliedstaaten zum 6. Ministertreffen der Welthandelsorganisation ein. Im Kongresszentrum von Hongkong – in wunderbarer Lage mit Blick auf den Hafen – möchten sie gerne den Freihandel weiter vorantreiben.

Unweit vom Sitzungssaal, in dem die Minister ihre Beratungen führen werden, zeigt der freie Handel sein wahres Gesicht. Als eine der freiesten Wirtschaften der Welt ist Hongkong auch ein Freihafen für elektronischen Abfall aus aller Welt. China ist auf dem besten Weg dazu, zur Sondermülldeponie der Welt zu werden. Jede Stunde werden hier rund 4000 Tonnen Sondermüll abgeladen. Viele verbrauchte elektronische Produkte werden mit aller Selbstverständlichkeit von Europa, Japan und Nordamerika nach China und in andere asiatische Länder verschifft. Sie dort einfach abzuladen ist billiger, als sie im eigenen Land umweltgerecht zu entsorgen. So sieht „Freihandel“ in Wirklichkeit aus! Da unsere Handys, Computer und sonstigen elektronischen Alltagsprodukte giftige Stoffe enthalten, sind die Arbeiter, die diese Geräte auf den Schrottplätzen von Guiyu in der chinesischen Provinz Guangdong auseinandernehmen – oft unter Bedingungen und von blosser Hand – grossen Risiken ausgesetzt. Das ist das Resultat, wenn Handel nicht effektiv reguliert wird.

Im Namen dieses Freihandels möchten viel Regierungen bei dem WTO-Ministertreffen im Rahmen der Verhandlungen über nicht-landwirtschaftlichen Marktzugang (NAMA) die Zölle auf elektronischen Geräten ganz abschaffen. Wie die Erfahrungen mit dem Abkommen zur Informationstechnologie, das 1996 von 29 WTO-Mitgliedern unterzeichnet wurde, zeigen, wird dies den Handel mit elektronischen Produkten noch zusätzlich beleben. Handys, die heute oft nur noch 6 Monate benutzt werden, werden noch schneller Abfall werden. Und das wiederum bedeutet – da wirkungsvolle soziale und ökologische Regulierungen fehlen – zusätzlichen Müll für Schrottplätze wie der in Guiyu.

Die WTO-Präambel formuliert als Ziele der Welthandelsorganisation den „Schutz der Umwelt“ und die „optimalen Nutzung der globalen Ressourcen im Einklang mit dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung“.

In Wirklichkeit jedoch zwingt die WTO alle Länder zu verschärftem Wettbewerb und einer Steigerung des Handels. Dadurch steigt der Verbrauch von natürlichen Ressourcen rasant. Ein Fünftel des weltweiten Ölkonsums dient heute lediglich dazu, Güter in der Welt herum zu verschieben. Und die gegenwärtigen Verhandlungen, insbesondere die NAMA-Verhandlungen, beachten ihre Auswirkungen auf die Umwelt nicht. Das ist der Fall bei den elektronischen Geräten und dem Sondermüll, zu dem sie mit Sicherheit werden. Diese ökologische Blindheit ist aber eine besondere Skandal bei Wäldern. Denn bei der Forstwirtschaft kann sich die Politik nicht einmal auf Ignoranz berufen. Eine von der EU finanzierte Umweltverträglichkeitsprüfung zeigt, dass jede weitere Liberalisierung des Handels negative Auswirkungen haben wird. Die Studie zeigt, dass der freie Handel die bestehenden Probleme vergrössert und die Nachfrage nach nicht-nachhaltig geschlagenem Holz steigert. Die Studie scheint jedoch das Papier nicht wert zu sein auf dem sie gedruckt wurde. Denn weder in Brüssel noch in Berlin ist eine Kehrtwende zu erkennen. Nicht willens, unangenehme Folgen des Freihandels offen einzugestehen, fordert die EU trotzdem weiter eine umfassende Liberalsierung im Rahmen der NAMA-Verhandlungen in Hongkong.

Statt blindwütig die Liberalisierung des Handels um jeden Preis voranzutreiben, sollten die Regierungen in Hong Kong die NAMA-Verhandlungen stoppen. Die geplanten Liberalisierungsschritte für ökologisch empfindliche Bereiche – zum Beispiel Waldprodukte – müssen aufgegeben werden, denn deren negative Auswirkungen sind bewiesen.

In Hongkong haben die Handelsminister eine klare Wahl: sie können die Liberalisierung des Handels weiter forcieren, allen negativen Sozial- und Umweltauswirkungen zum Trotz, oder sie können sich dafür einsetzen, dass das Welthandelssystem endlich die Erfordernisse von Gesellschaft und Umwelt berücksichtigt und entsprechend umgebaut wird. Wir brauchen ein Handelssystem, das sich den Umweltschutz zu Herzen nimmt – nicht eins das ihn nur in seiner Präambel propagiert.

Nur wenn Regierungen einen neuen Anfang wagen, kann das Treffen in Hongkong als Erfolg bezeichnet werden. Die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Freihandels müssen auf den Tisch. Wenn sie klar benannt sind, kann mit dem Aufbau eines fairen und umweltverträglichen Welthandelssystem endlich begonnen werden.

Daniel Mittler leiet die Welthandelsarbeit bei Greenpeace International.

Kommentieren 13. Dezember 2005