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Verkehrte Welt

17. Dezember 2005

Silke Helfrich schreibt:
Wir diskutieren gerade noch heiss das Briefing der suedafrikanischen Delegation (siehe Beitrag: “Ueber die Kunst des Selbstbetrugs” von Heike Loeschmann), da winkt uns jemand zum Fenster des Central Plaza, das Luxushotel gleich neben dem Convention Center. Die Riesenfrontscheibe (hier ist irgendwie alles gross und gewaltig) gibt Ausblick auf die Strasse und den Platz zwischen Hotel und Convention Centre. Dort hatten sich die VertreterInnen von Via Campesina und eine Menge Koreaner versammelt; eine bunte Demo, die wir da im Dunkeln durch die Scheiben beobachten koennen. Doch irgendwie auch weit weg vom Geschehen. Also was tun? Die Gunst des Augenblicks bietet an, uns der suedafrikanischen Delegation, die gerade die Rolltreppe runterfaehrt, anzuschliessen. Gedacht, getan. Wir laufen im Eiltempo ueber den Platz, zwischen den Absperrgittern durch, rundum Polizei, im Hintergrund das Trommeln der Demo (die Demos hier sind bunt und rhytmisch, das liegt vor allem an den fast an militaerische Uebungen erinnernden Drills der Koreaner) rein ins Convention Centre.

Dummerweise ueberlegen wir erst drinnen, was wir da genau wollen (ich hatte einen Termin mit einer Wasseraktivistin aus Bolivien, aber sie hatte natuerlich keine suedafrikanische Delegation, die sie durch die Absperrgitter geschleust haette). Jedenfalls nageln 15 Minuten spaeter die jungen Hilfskraefte Zettel an; mit dem Hinweis, dass alle Zugaenge gesperrt sind. Keine Zufahrt mehr zum Convention Centre aber auch kein Weg raus. Auf die Frage, wie wir zu unserem Termin in Hotel sowieso kommen, sagen sie nur: “Das ist alles fuer ihre Sicherheit.” Sie sind fest von der Bedrohung durch die demonstrierenden Bauern ueberzeugt. Ok, “Geh ich eben zum Briefing von OWINFS.” (dem Netzwerk “Our World is not for Sale”), doch die hatten das Convention Centre rechtzeitig verlassen, um sich der Demo anzuschliessen. Naechste Idee: das Briefing der franzoesichen Delegation: doch das wird abgesagt. Die Autos mit den Delegationsmitgliedern konnten nicht vorfahren. Ich bin drin, die Demonstranten sind draussen. Das hab ich auch noch nicht erlebt.

PS: anderthalb Stunden spaeter kommt der wegweisende Anruf (wir hatten uns derweil in das von der Stadt Hongkong eingerichtete Computerzentrum fuer NGOs verdrueckt, um diese blogs zu tippen): ein Kollege weist uns den Weg nach draussen. Hoffen wir mal, dass es klappt.

Silke Helfrich ist Leiterin des Bueros der Heinrich-Boell-Stiftung in Mexiko.

Kategorie: Silke Helfrich

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